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Vertrieb führen · 4 Min. Lesezeit

Signale statt Kaltakquise. Woran ein Unternehmen zeigt, dass es kaufbereit ist

· Daniel Richter

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Vertriebsteams arbeiten Listen ab, obwohl Unternehmen öffentlich zeigen, wann sie in Bewegung sind. Stellenanzeigen, neue Führungskräfte, Investitionen, Eigentümerwechsel und Probleme beim Wettbewerber sind solche Signale.
  • Das Gespräch beginnt beim Signal und nicht bei der Vorstellung des eigenen Unternehmens. Das macht den Anruf für den Kunden relevant.
  • Zwei Stunden pro Woche reichen für die Routine. Ein KI-Assistent hilft bei Recherche und Entwurf, die Auswahl bleibt beim Verkäufer.
  • Auch mit Signal gelten die Regeln des Wettbewerbsrechts, besonders für Werbe-E-Mails.

Kaltakquise mag niemand, auf keiner Seite des Telefons. Trotzdem arbeiten viele Vertriebsteams im Mittelstand weiter gekaufte Listen ab, als gäbe es keine besseren Informationen. Dabei zeigen Unternehmen öffentlich, wann sie sich verändern, und wer sich verändert, prüft auch seine Lieferanten. Der Unterschied liegt darin, ob der Vertrieb diese Signale systematisch sammelt oder dem Zufall überlässt.

Welche Arbeit ein KI-Assistent bei der Neukundengewinnung abnimmt, beschreibt der Beitrag zur Entlastung bei der Kaltakquise. Dieser Beitrag setzt einen Schritt davor an. Er klärt, wen der Vertrieb überhaupt ansprechen sollte und mit welchem Anlass.

Fünf Signale, die Unternehmen öffentlich senden

Nicht jedes Signal ist gleich verlässlich, und nicht jedes passt zu jedem Geschäft. Für einen Mittelständler, der an Industriekunden verkauft, sind fünf Signale besonders ergiebig. Die Grafik zeigt sie mit Beispielen und den Stellen, an denen sie sichtbar werden.

Infografik: Fünf öffentliche Signale für Kaufbereitschaft, Stellenanzeigen, neue Führungskraft, Investitionen und Standorte, Übernahme oder neuer Eigentümer, Probleme beim Wettbewerber.

Welche der fünf im eigenen Markt am besten funktionieren, lässt sich vorher nicht sagen. Ein Hersteller von Ersatzteilen profitiert eher von Problemen beim Wettbewerber, ein Anlagenbauer eher von Investitionen und neuen Standorten. Deshalb lohnt es, alle fünf vier Wochen lang zu beobachten und dann zu entscheiden, welche bleiben.

Aus dem Signal ein Gespräch machen

Der Unterschied zur Kaltakquise liegt im ersten Satz. Statt „Darf ich Ihnen kurz unser Unternehmen vorstellen?“ beginnt das Gespräch beim Signal. Angenommen, ein Hersteller von Fördertechnik liest, dass ein Getränkeabfüller in der Region einen zweiten Standort baut. Der Verkäufer ruft den technischen Leiter an und sagt sinngemäß, er habe vom Neubau gelesen, und bei Neubauten dieser Größe werde die Fördertechnik oft erst spät geplant, was später teuer werde. Ob das Thema schon vergeben sei oder ob ein kurzes Gespräch sinnvoll wäre.

Das ist kein Trick. Der Anruf ist für den Kunden relevant, weil er ein Thema anspricht, das ihn gerade beschäftigt. Er darf auch schnell mit einem Nein enden. Ein ehrliches Nein mit Hinweis auf den richtigen Ansprechpartner ist mehr wert als zehn unbeantwortete Nachrichten.

Die Routine in zwei Stunden pro Woche

Signale wirken nur, wenn sie regelmäßig gesammelt werden. Einmal im Quartal eine große Recherche bringt wenig, weil die meisten Signale nach einigen Wochen veraltet sind. Der folgende Wochenablauf passt für einen Verkäufer oder für den Innendienst, der dem Außendienst zuarbeitet.

Infografik: Wochenablauf in zwei Stunden, Signale sammeln am Montag, prüfen und auswählen am Dienstag, ansprechen am Mittwoch, nachfassen am Freitag.

Ein KI-Assistent verkürzt vor allem die ersten beiden Schritte. Er fasst Pressemeldungen zusammen, prüft, ob ein Unternehmen zur eigenen Kundengruppe passt, und schreibt einen ersten Entwurf für den Brief oder die Notiz zum Anruf. Wie das mit freigegebenen Werkzeugen funktioniert, zeigt der Beitrag Drei Aufgaben, die sich in 30 Tagen rechnen. Die Entscheidung, wen der Vertrieb anspricht, bleibt beim Verkäufer.

Was rechtlich zu beachten ist

Ein Signal ändert nichts an den Regeln des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb. Werbe-E-Mails ohne vorherige Einwilligung sind auch zwischen Unternehmen unzulässig. Ein Anruf bei einem Unternehmen setzt zumindest ein mutmaßliches Interesse voraus, und ein konkreter Anlass wie ein Neubau ist dafür eine deutlich bessere Grundlage als eine gekaufte Adressliste. Eine rechtliche Prüfung im Einzelfall ersetzt das nicht, und im Zweifel ist ein Brief der sicherere Weg für den ersten Kontakt.

Welche Vorlagen dabei helfen

Welche Unternehmen im eigenen Gebiet das größte Potenzial haben und deshalb zuerst beobachtet werden, klärt die Gebietsbewertung nach Potenzial im Werkzeugkasten. Ist aus dem Signal ein Gespräch geworden, hilft das Qualifizierungsraster vor dem Angebot bei der Frage, ob wirklich ein Projekt dahintersteht. Für Recherche und Entwürfe enthält die Prompt-Sammlung für Vertriebsaufgaben passende Anweisungen.

Die nächsten vier Wochen

Ob Signale im eigenen Markt besser funktionieren als Listen, zeigt ein einfacher Vergleich. Vier Wochen lang hält ein Verkäufer die Routine ein und notiert für jede Ansprache, welches Signal sie ausgelöst hat und ob daraus ein Gespräch wurde. Danach liegt eine Zahl auf dem Tisch, die sich mit der bisherigen Kaltakquise vergleichen lässt, und eine Liste der Signale, die sich lohnen.

Kaltakquise wird nicht besser, wenn der Vertrieb mehr davon macht. Sie wird seltener nötig, wenn er genauer hinsieht, was seine Kunden ohnehin öffentlich erzählen.

Dazu im Werkzeugkasten